Energie sparen, Batterie laden mit MS

Energie sparen Batterie laden mit MS

Vor einigen Monaten habe ich einen Blog über Energie und Energiekörner sparen geschrieben. Nachzulesen hier:

Heute kommt wie versprochen der Folgebeitrag, mit Tipps, wie wir Energie sparen, Kraft tanken und die Batterie laden bei und mit MS:

Dies sind meine persönlichen Strategien:

  • Morgens benutze ich beim Duschen einen Duschhocker, so komme ich gut, entspannt und sicher in den Tag. Ich lege mir die Handtücher und Klamotten parat, damit ich nicht sofort ins Straucheln komme. Es empfiehlt sich generell im Bad auf Hilfsmittel nicht zu verzichten. Einsetzbar sind zusätzlich mobile Handgriffe und Duschmatten, um Halt und Sicherheit zu haben.
  • Generell strukturiert vorgehen, das fällt mir nach wie vor eher schwer. 😉
  • Das A und O hier: Die Arbeit teilen, den Alltag vorausschauend planen. Zum Beispiel schreibe ich Einkaufslisten. Je nachdem wie eingeschränkt wir sind, bitte zum Einkauf Angehörige, Freunde zum Helfen und Tragen mitnehmen. Oder den Nachbarn fragen. Wozu haben wir schließlich Familie, Freunde und Bekannte?
  • Ebenso für den Einkauf von Getränkekisten. Diese kann ich mir anliefern lassen oder ich verwende einen Sprudelautomaten.
  • Neue Textilien kaufe ich gerne vor Ort. Da das An- und Ausziehen enorm viel Kraft, Einsatz und Zeit kostet. Deshalb nehme ich mir Hosen zum Teil mit nach Hause, um diese anzuprobieren. Im Notfall lasse ich mir welche zuschicken. Die Einkaufstour soll auf keinen Fall zum Horrortrip ausarten. Außerdem brauche ich die verbleibende Power für weitere Läden und Cafés.
  • Anziehsachen wähle ich nicht alleine nach Optik, sondern ebenso nach dem Pflegeaufwand aus. Bügeln kostet definitiv viel Kraft und raubt mir den letzten Nerv und zu viel Energie. Deshalb kaufe ich gerne Sachen, die nach dem Waschen gefaltet werden müssen. Zu viele Knöpfe und Schleifen vermeide ich zusätzlich. Simpel und bequem ist hier die Devise.
  • Essen koche ich gerne vor, damit ich größere Mengen einfrieren und bei Bedarf auftauen kann. In der Regel koche ich schnelle, einfache und leckere Gerichte, bei denen ich viele Dinge im Sitzen erledigen kann.
  • Aktionen und Termine wie Krankengymnastik, Arzttermine lege ich in die Vormittagsstunden. Nachmittags ist nämlich der Großteil der Energie und die Kraft verschossen.
  • Die Batterie lade ich mittags mit einem Mittagsschlaf auf, damit ich den Rest des Tages gut überstehe. Danach habe ich Kraft und mehr Körner für den Rest des Tages.
  • Tanken fahre ich gerne mit Begleitung, damit ich nicht extra meine Hilfsmittel rausholen muss. Falls niemand vorhanden ist, kein Problem. Ich frage direkt den nächsten sympathischen Menschen der neben mir steht, ob er für mich tankt und zahlt … natürlich mit meinem Geld. 😉
  • Außerdem empfehle ich Hilfsmittel zu benutzen. Egal ob Rollstuhl, Rollator, Stock. Zur Sicherheit und zur Kraftersparnis. Klar fällt es nicht leicht diese anzunehmen, aber glaubt mir, vieles wird leichter und wir sparen hier wertvolle Energiereserven.
  • Plane ich einen Urlaub, fange ich früh genug mit den Vorbereitungen und dem Koffer packen an.
    • (Frau packt eh gedanklich den Koffer drei Wochen früher. Falls nicht, besser rechtzeitig beginnen, damit nichts fehlt. Meine Erfahrung: Es fehlt eh immer etwas…).
  • Außerdem überprüfe ich Dokumente wie Reisepass, Personalausweis auf ihre Gültigkeit, bevor sie diese verlieren und der Urlaub ins Wasser fällt.
  • Bei längeren Anfahrten, plane ich eine Zwischenübernachtung ein, damit der Urlaub entspannt beginnen kann.

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Was der absolute Energie- und Kraftkiller ist:

Ärger, Druck und Stress!

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Energie sparen Batterie laden

  • Nicht mehr in Rage reden, ein bis zwei Gänge runterschalten und Fünfe gerade sein lassen. Leider ist das nicht meine Kernkompetenz, aber ich arbeite dran.
  • Sinnvoll ist es auch, Entspannung einzuplanen. Es gibt heute viele Möglichkeiten, sei es per App oder durch CDs, eine Meditation, autogenes Training in den Tag einzubauen. Zwanzig Minuten kann jeder innehalten. Wir müssen es nur tun. Ich für meinen Teil drehe eine Runde mit meinem Liegerad und komme so runter.

 

Druck ist ungesund und ich versuche mir keinen Termindruck zu machen. Egal ob es sich um den nächsten Blogbeitrag handelt. Irgendjemand was von mir erwartet, was ich nicht erfüllen kann und will. Nein sagen lautet dort die Devise. Oft sagen wir JA, aus Gefälligkeit, meinen aber NEIN. Sehr schön ist das von meinem Blogger Kollegen Frank – Koenig Limburg – vom Blog Barrierefreie Ausblicke in Wort und Bild erklärt. Nachzulesen hier.

Ganz wichtig zu erwähnen: Schweigen ist Silber, Reden ist Gold. Nur wer seine Wünsche klar formuliert, dem kann geholfen werden.

Der übertriebene, pathologische Ehrgeiz ist kontraproduktiv und wir müssen den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Keine leichte Aufgabe, da ich leider ein kleiner Oberehrgeizling bin, aber es ist schon besser geworden. Ich wachse mit meiner Behinderung und lerne stetig dazu. 😉

Energie sparen und die Batterie laden müssen alle MS Patienten.

Ansonsten sind unsere 100 Körner Tagesration schnell verballert…. duschen kostet 10 Körner, anziehen nochmals 10, Krankengymnastik 20 und Mittagessen kochen ebenfalls 20.

Wer mitgerechnet hat -> die Hälfte der Körner sind mittags verbraucht und es heißt: Batterie laden, ausreichend Pausen einlegen, damit wir durch den Tag kommen.

Wie tankt ihr auf? Was ist DEIN Tipp?

Ich bin gespannt.

Deine Christine!

❤️

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Da geht noch was...! Immer weiter und wenn es geht nach VORNE! Information, Motivation und ein Menge Spaß.

10 Comments

  • Anonymous 1. November 2018 at 8:17 Reply

    Hallo,
    ich bin Angehöriger und erlebe den schleichenden Verlauf meiner Partnerin. Wir müssen uns die Körner einteilen. Danke für die Sichtweise, denn manchmal verzweifelt man …. Grüße Alexander

    • Christine 1. November 2018 at 12:28 Reply

      Hallo Alexander,
      manchmal ist es ganz gut, von anderen Menschen mit MS zu lesen. Man merkt, dieses Problem haben viele und wir sind doch nicht alleine.
      Alles Gute und die perfekte Körnereinteilung wünscht, Deine Christine

  • Axel 21. Oktober 2018 at 15:45 Reply

    Hallo,

    Durch Zufall hab ich diesen Blog entdeckt. Alles schön und gut mit den Körnern, aber ich finde doch nur durch Testen heraus, wie weit ich gehen kann, oder? Und dann ist ein Rollstuhl für mich noch ein Synonym für meinen körperlichen Abbau. Verlieren die Beine nicht noch mehr Kraft, wenn man sie nicht nutzt. Zur Zeit nutze ich einen Rollator. Die Gehstrecke hat sich dadurch zwar nicht verlängert, aber ich kann stabiler gehen. Auch wenn so ein Teil für mich mit 51 Lenzen doch, zumindest gefühlt, zu früh kommt.

    • Christine 21. Oktober 2018 at 19:32 Reply

      Hallo Axel,
      klar muss man für sich selbst testen und schauen wie weit man seine Enegie verballert und einteilt. Außerdem ist es wichtig an seine Grenze zu kommen und diese manchmal ein wenig zu überschreiten, damit man trainiert und nicht aus der Übung kommt.
      Ich trainiere jeden Tag, dehne, übe mache tue. Leider wird das Gehen immer schlechter, deshalb nutze ich den Rollstuhl. Ich muss mir genau überlegen wo ich meine Energie verschieße.
      Als ich noch wesentlich besser gehen konnte, viel am Rollator gehen konnte, bin ich täglich meine Runden gegangen… Ich denke Training ist allgemein bei MS wichtig und je nachdem in welchem Stadium wir uns befinden muss man seine Enegie richtig einteilen.
      Ich wünsche dir noch eine lange, gute Zeit mit viel Gehstrecke. Dran bleiben ist die Devise, aber wenn es nicht mehr geht, bitte auch ein Hilfsmittel akzeptieren. Wir wollen schließlich alle noch etwas erleben. 😉
      Alles Gute für dich.
      Deine Christine!

  • Dirk Jakob 24. September 2018 at 9:37 Reply

    Hey Christine,
    immer wieder schön zu lesen, wie du alltägliche Themen aufgreifst, in denen man sich einfach verstanden fühlt. 🙂
    Energie sparen, Kraft einteilen ist ab einem gewissen Stadium der MS wohl das zentrale Thema. Ich bin eher intuitiv dazu übergegangen, mir alles anzuschaffen was in irgendeiner Form Erleichterung verschafft. Z.B. Putzroboter, Wileda halbautomatischer Fensterputzer, höheres Bügelbrett, hoher Backofen, etc. Damit lässt sich das tägliche Leben enorm erleichtern…Körner sparen ist die Devise. 🙂 Jeder Handgriff ist organisiert und geplant. Möglichst immer gleiche Abläufe und Wege…um den „Körnerverbrauch“ planbar zu machen.
    Ansonsten habe ich mich emotional „runtergeregelt“. Stressvermeidung ist, wie du schon sagtest, elementar. Meine Grundeinstellung wurde in den letzten Jahren immer positiver. Immer gelassener. Nicht weniger konsequent…aber demütiger und froher als ich es früher war. Ich sehe nicht mehr an jeder Ecke Probleme. Das Glas ist immer halbvoll. Das macht vieles leichter.
    Ich habe mich zudem von der Teilverrentung überzeugen lassen und arbeite nur noch 5 Stunden täglich.
    In der Summe führt es zu einer sehr guten Tagesordnung mit maximaler Ausbeute für mich. 😉
    So…soviel von meiner Seite zum Thema Energie sparen/einteilen.

    Ich wünsche dir…und natürlich allen lesenden…eine gute Zeit mit viel Spaß am Leben!

    Dirk

    • Christine 24. September 2018 at 9:47 Reply

      Hallo Dirk,

      schön, wenn du dich wiederfindest und nachvollziehen kannst, um was mir geht. 🙂
      Das hört sich bei dir wirklich nach Umstellung und Umstrukturierung mit sehr gutem Erfolg an. Ich denke, wenn man sich das Leben nicht noch schwerer machen will, als es eh manchmal schon ist, dann ist es wichtig seine Routine, seine Wege, sein Stressvermeidungsprogramm zu finden und durchzuziehen. Alltagshilfen sind wichtig und können manchmal sogar schön aussehen, obwohl da ist noch viel Luft nach oben … 😉
      Aber wie schon geschrieben, Energie sparen und die Körner einteilen verhilft zu einem stressfreieren Leben mit MS. Vielen Dank für deine Tipps, der Putzrobotor lacht mich persönlich auch an….
      Eine schöne Restwoche wünscht, Deine Christine!

  • Katrin - musikhai 17. September 2018 at 22:50 Reply

    Hallo liebe Christine,
    du hast ja so recht… *seufz* … aber mehr noch als deine ganzen nützlichen Tpps, tat mir gut, dass du hast durcvhblicken lassen, dass du die gleichen Fehler machst wie ich… Ehrgeitz lässt grüßen… 😉

    • Christine 18. September 2018 at 7:43 Reply

      Hallo liebe Katrin!
      Ja, ich bin auch keine Maschine und mache gerne die bekannten Fehler bzw. neige nach wie vor zum Oberehrgeizling. 😉 Ich denke, wenn das einmal drin ist, dann kann man das sehr schlecht abstellen.
      Aber es ist schon besser geworden… Ich wünsche eine schöne Restwoche. Liebe Grüße, Deine Christine!

  • Kerstin Kubon 15. September 2018 at 18:39 Reply

    Danke liebe Christine für den tollen Beitrag. Immer wieder schön, wenn man durchs Lesen wieder dran erinnert wird, wie es geht.
    Ich versuche am Tag zwischen 3 und 5 Pausen einzuhalten und in der Woche 2 bis 3 Yoga sessions einzuplanen. So klappt dann auch alles ganz gut. Ich habe gelernt, dass ich mit Ruhe, Yoga, Achtsamkeit, KG, Rehasport und Ergo Anz gut zurecht komme und die alles negative schiebe Ich so gut es eben geht weg. Liebe Grüße Kerstin

    • Christine 16. September 2018 at 9:09 Reply

      Sehr gerne liebe Kerstin. Aber wie ich lese, hast du alles gut im Griff und achtest auf DICH und die MS. Sehr gut! 😉
      Das Programm muss dir erst einmal einer nachmachen, denn viele unter uns denken, mit einmal KG in der Woche ist es getan…. Falsch gedacht.
      Einen schönen Sonntag wünscht, Deine Christine!

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