Kühlungsborn ist nicht Ibiza, aber mit Rollstuhl zu bereisen

Kuehlungsborn ist nicht Ibiza aber mit Rollstuhl zu bereisen

Letzte Woche bin ich spontan nach Kühlungsborn mit meinem Rollstuhl gereist. Das Auto hatte ich natürlich auch dabei … 😉

Meine Schwester war vor Ort und wie in jedem Jahr, gibt es eine einwöchige Schwesternzeit. Diese fand an der schönen Ostsee bei gutem Wetter und bester Laune statt.

Wo liegt Kühlungsborn?

An der mecklenburgischen Ostseeküste, circa 25 Kilometer von Rostock entfernt. Es ist der größte Bade- und Erholungsort Mecklenburgs. Kübo, der Spitzname des Ortes, verfügt über eine 3150 Meter lange Strandpromenade. Am westlichen Ende mündet die Promenade in den Baltic-Platz. Der breite Sandstrand zieht sich über sechs Kilometer hin.

Eindrücke:

Der Ort bleibt mir auf jeden Fall im Gedächtnis, da es dort zwei Strandzugänge/Stege ausschließlich für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen gibt.

So nah war ich mit meinem Rolli bis jetzt an keinem Meer. Ein schönes Gefühl dort zu stehen, auf die Ostsee zu schauen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Kuehlungsborn Rollsltuhlsteg

Außerdem komme ich dort sofort mit Gleichgesinnten ins Gespräch, kann mich fachmännisch über die neusten Rollstuhl News oder Aktivitäten vor Ort austauschen. Dass mir das gefällt… die Zeiten ändern sich. 😉

Der Steg wird in der Wintersaison von Anfang November bis Ende April abgebaut, ist somit in den schöneren Jahreszeiten zu genießen.

Aber kein Problem, da Kühlungsborn eine hammermäßige Promenade zu bieten hat. Kilometer lang und ausreichend WCs sind an jedem zweiten Strandzugang vorhanden.Kuehlungsborn PromenadeDiese sind offen, der Euro WC Schlüssel kommt hier nicht zum Einsatz. Extra zu bemerken: die sauberen WCs. Was will ich mehr am Meer?

Essen & Trinken:

Falls einen der Hunger überkommt, gibt es an der Promenade ausreichend Restaurants und Büdchen, um diesen zu stillen. Hier kann ich EDEL und SCHARF empfehlen, die Currywurst mit Pommes rot weiß ist ein Traum.

Im gesamten Ort befinden sich genügend Restaurants und Hotels. Die Kunst liegt darin, eine geeignete Location zu finden. Ich war gerne im Hotel Upstalsboom essen. Egal ob dort im Restaurant, im Café oder an der Azubi-Bude, Fetzenbude. Kuehlungsborn FetzenbudeHier findet jeder das Richtige für seinen Geschmack und Geldbeutel. Sehr hervorzuheben ist hier die Toilette im Erdgeschoss, in die eine komplette Fußballmannschaft im Notfall unterkommt. Rede und Antwort steht der freundliche und hilfsbereite Guest Relation Manager Herr Kuhl. Er greift kurzerhand zum Telefon, um offene Fragen direkt zu klären. Hierfür alle Daumen hoch! 👍

Das Stadtzentrum ist touristisch angehaucht. Karten, Bänder, Textilien sind überall erhältlich. Mein Lieblingsladen war Traum und Zeit, mit Rolli Rampe zu erreichen. Dort findet garantiert jeder ein Souvenir. Gegenüber gibt es das beste Eis am Ort.

Sehr schön waren die Konzerte im Konzertgarten Ost. Klar ist Kühlungsborn nicht Ibiza, aber am Wochenende geht hier die Luzie ab, da steppt der Bär im Kettenhemd. Mir hat es sehr gut gefallen und die Gruppe Papermoon hat alles gegeben. Der Konzertgarten ist Rollstuhl gerecht erreichbar und barrierefrei.

Kultur:

Ein wenig Kultur darf nicht fehlen und direkt an der Promenade liegen der Grenzturm aus DDR Zeiten und die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen.

Beide Gebäude sind mit Rollstuhl gut zu erreichen.

Der Ostsee-Grenzturm ist ein Ort, an dem man einen kleinen Einblick in die Geschichte der Teilung Deutschlands bekommt. Den Turm besteigen kann ein Fußgänger, wir nicht. Aber das kleine Museum ist befahrbar und gibt Auskunft über die Techniken der Grenzüberwachung der DDR. Ein Muss für jeden Besucher.

 

Kuehlungsborn Grenzturm Kunsthalle

Die Kunsthalle Kühlungsborn ist über einen teils gepflasterten, teils sandigen Weg zu erreichen. Der Eintritt in die Halle kostet mit der Kurkarte drei Euro, ohne vier Euro. Das Programm, die Ausstellungen, die Veranstaltungen wechseln stetig. Über den Wintermonaten werden freundliche und lustige Themen gestaltet, da es draußen trist und dunkel ist.

Kühlungsborn mit Rollstuhl zu erkunden ist machbar. Wem es zu mühselig wird, der begibt sich in den Bäder Express und macht eine Stadtrundfahrt mit. Auf Nachfrage beim Betreiber kam die Antwort: Nur die blauen Routen sind mit Rollstuhl machbar. Bitte eine Stunde vor Abfahrt beim Busfahrer telefonisch melden, damit er den Platz reservieren kann. Acht Euro kostet der Spaß, Nachlass gibt es keinen! So der O-Ton. 😉 Ich füge den Link hier ein. Einige Bahnen haben den letzten Waggon mit Rampe für Rollstuhl Fahrer angehängt. Oder bitte selbst die Infos beim Haus des Gastes erfragen. Vor diesem befindet sich eine Haltestelle.

Haus des Gastes:

Das Haus des Gastes Laetitita, indem sich die Touristen Information befindet, hat einen Seiteneingang. Leider ist die Tür ohne Hilfe schwer zu öffnen.

Kuehlungsborn Haus des Gastes

Es gibt einen Fahrstuhl, mit diesem geht es in die untere Etage. Dort befinden sich Behinderten WCs und eine Töpferei. Leider war niemand vor Ort, deshalb alleine der Link.

Die Touristen Information ist freundlich, hat aber keine Tipps für gehandicapte Menschen. Flyer, Broschüren sind genug vor Ort, aber speziell für uns waren keine wertvollen Broschüren vorhanden.

Auch das Verzeichnis für barrierefreie Hotels, Zimmer, Ferienwohnungen ist “mau”, PDF hier: Kübo Unterkunft. Ein liebloser Zettel mit verwirrenden Angaben, mehr gab es nicht.

Da meine Schwester unsere Unterkunft gebucht hat, ich kein barrierefreies Zimmer hatte, kann ich leider nicht darüber berichten.

Falls jemand einen Hinweis für eine barrierefreie Unterkunft hat, her damit! Bitte schreibt hier unter dem Beitrag EURE Erfahrungen und Tipps, damit wir alle davon profitieren können. Vielen Dank!

Unternehmungen in Kühlungsborn mit Rollstuhl:

Sehr gerne wäre ich in das Strandkorb Kino gerollt. Leider sind die letzten 100 Meter durch den Sand eine unüberwindbare Hürde für mich. Ein Steg dorthin wäre perfekt. Das ist mein Vorschlag für das Ostseebad. 😉

Eine Ausflugsfahrt mit der MS Baltica ist nicht möglich, da ein paar Stufen vorhanden sind.

Ebenso eine Fahrt mit der Molli, einer Nostalgiebahn. Wer 2-3 Stufen in den Zug selbstständig einsteigen, sowie seinen Rollstuhl alleine reinheben kann, hat die Chance mitzufahren. Toiletten gibt es an den Bahnhöfen, ob diese behindertengerecht sind, weiß keiner. Also fällt die Tour für mich aus. 😉

Das Museums Café hat eine behindertengerechte Toilette, im Aufgang sind fünf Stufen zu erklimmen. Keine Ahnung ob wir reinfliegen sollen??? Für mich fällt das ebenso aus, aber eine Idee für fittere Menschen.

Alternative:

Wenn nichts geht, besteht die Möglichkeit nach Rostock, Bad Doberan, Heiligendamm oder Rerik mit dem Bus zu fahren. Vorher bitte das Busunternehmen Rebus -laut Touristeninformation- anrufen, damit auf jeden Fall ein geeigneter Bus mit tiefem Einstieg kommt. Ansonsten gibt es Wismar zu erkunden. Ich wäre mit dem Auto dorthin gefahren.  Die aktuelle Ausstellung hört sich interessant an. Leider hat die Zeit nicht mehr gereicht.

Mein Highlight war zum Abschluss der Besuch vom Vorort Rerik.

Rerik

Klein, fein, idyllisch. Es gibt eine gut gepflasterte Promenade am kleinen Hafen, die wir gut entlang rollern können. Hier entkomme ich dem Trubel aus dem Ostseebad Kühlungsborn und kann die Seele baumeln lassen.

Fazit zum Ostseebad Kübo:

Wind, Strand, Meer, das hat das Ostseebad reichlich zu bieten. Wer die Natur liebt, ein wenig chillen, dem Alltag entfliehen will und einfach nur Meer haben will, ist dort sehr gut aufgehoben. Kuehlungsborn mit Rollstuhl

Kühlungsborn ist nicht Ibiza!

Muss es auch nicht – Hauptsache Kühlungsborn ist mit Rollstuhl, Rollator und Handicap zu bereisen.

Aber wie so oft, ist bei diesem Thema noch ganz viel Luft nach oben. Barrierefrei oder barrierefreundlich ist ein riesiger Unterschied! Ein Hoch auf die Barrierefreiheit!

Was ist euch lieber? Viel los oder ruhig und überschaubar?

In diesem Sinne, eine schöne Reise!

Deine Christine!

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16 Comments

  • Buchstabenwiese 12. September 2018 at 16:38 Reply

    Eine schöner und interessanter Bericht und wunderschöne Bilder, liebe Christine.
    Ich denke, dort würde es mir auch gefallen.

    Herzliche Grüße,
    Martina

    • Christine 12. September 2018 at 17:29 Reply

      Dankeschön liebe Martina,
      ich denke, wenn man jetzt mit Rollstuhl dorthin fährt, hat meine eine kleine Vorahnung was einen erwartet, was man tun kann.
      Herzliche Grüße zurück,
      Deine Christine!

  • Elke 9. September 2018 at 20:09 Reply

    Liebe Christine,

    da hattest Du wenigstens mehr Glück wie wir. Kühlungsborn werden wir dann vielleicht nächstes Jahr ausprobieren. Borkum ist gar nicht so meins und meines Mannes.

    Liebe Grüße
    elke von elke.works

    • Christine 9. September 2018 at 20:16 Reply

      Liebe Elke,
      ich bin eigentlich totaler Borkum und Langeoog Fan…. Aber: Geschmäcker sind verschieden und wenn das Wetter nicht so wirklich toll ist, dann ist es an manchen Tagen echt schwierig etwas Schönes zu sehen. So geht es mir auf jeden Fall. Dann wünsche ich für den nächsten Urlaub das richtige Händchen. 😉 LG Deine Christine!

  • Konrad 8. September 2018 at 8:19 Reply

    Bin kein Freund von verreisen, finde es aber toll dass Du für für uns alle diese Reisen, die teils kleine Abenteuer sind, unternimmst um uns allen Mut zu machen: “Versuch es mal, es klappt.”

    • Christine 9. September 2018 at 16:14 Reply

      Ja, das versuche ich, so lange es noch geht. Hinterher ist es zu spät und dann heißt es…. hätte ich doch einmal… 😉 LG

  • Katrin - musikhai 7. September 2018 at 22:22 Reply

    Liebe Christine,
    ich finde deine Einstellung absolut richtig! Solange es noch geht, so viel wie möglich machen! Und jeden Augenblick genießen!!!
    Alles Liebe
    Katrin

    • Christine 7. September 2018 at 23:03 Reply

      Liebe Katrin,
      ich denke anders geht es nicht mit unserer Diagnose. Jeden Tag genießen und im Rahmen seiner Möglichkeiten das BESTE draus machen.
      Herzige Grüße, Deine Christine!

  • Frank F. König (LimFoto) 7. September 2018 at 13:39 Reply

    Hallo Christine,
    wie so oft hatte ich mir vorgenommen einen Kommentar in deinem Blog zu schreiben. Immer ging es in Vergessenheit, heute eben nicht, was mich echt Freud. Denn dein Blog zur MS gehört in meine Top 3 zum Thema. Dieser Beitrag sprich genau dafür, Vielfältig und auf den Punkt. Ich sage mal Danke…

    Liebe Grüße Frank alias LimFoto

    • Christine 7. September 2018 at 19:26 Reply

      Hallo Frank,
      schön, wenn der Blog und die Beiträge gefallen. Das kann ich nur zurückgeben. Ein Blick lohnt sich immer zum Limburg König 🙂
      https://www.koenig-limburg.de/
      Liebe Grüße von mir zur dir. Deine Christine!

  • Clara Himmelhoch 7. September 2018 at 10:41 Reply

    Liebe Christine, dein Bericht strotzt ja nur so aus Freude über diese schöne Urlaubswoche in Kühlungsborn. Es freut mich sehr, das ein ehemaliger DDR-Ostseeurlaubsort so schön geworden ist und vor allem offenbar gut durchdacht auch an Leute gedacht hat, die sich nicht auf ihren zwei Beinen, sondern auf vier Rädern bewegen.
    Danke für die schönen Fotos und den informativen Text. Ich sollte mich doch mal wieder an der Ostsee umsehen im “Urlaub”, den ich ja mehr oder weniger immer habe.
    Liebe Grüße von Clara

    • Christine 7. September 2018 at 11:11 Reply

      Hallo liebe Clara,
      ja, die Tage waren sehr schön und erholsam. Klar gibt es für Menschen mit Handicap noch viel zu tun, damit wir auch einige Highlights erleben können, aber im Großen und Ganzen war es sehr gelungen.
      Wer zu nah am Geschehen wohnt, schaut meist woanders…. das ist auch normal und kenne ich nur zu gut….
      Liebe Grüße zurück, Deine Christine!

  • Katrin 6. September 2018 at 20:19 Reply

    Das dachte ich auch! Wieviel Lust aus deinem Bericht kommt, ! Toll! Liebe Grüße Katrin

    • Christine 6. September 2018 at 20:21 Reply

      Danke liebe Katrin. So lange es noch geht, will ich viel erleben. Liebe Grüße zurück, Deine Christine!

  • Marcus B. 6. September 2018 at 18:41 Reply

    ich bewundere dich für deine unternehmungen,..

    • Christine 6. September 2018 at 19:09 Reply

      Hallo Marcus,
      so lange es irgendwie noch geht…. machen. Das ist die Devise und DU kannst das auch mit deinem neuen Gefährt machen. LG Deine Christine!

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