Stolz mit MS!

Stolz sein mit MS, das passt nicht zusammen??? Ich finde doch.

Jetzt fragt jeder bestimmt: Auf was soll ich BITTESCHÖN stolz sein?

Na das ist doch ganz klar:

auf DICH! auf UNS!

Warum?

Weil wir es einfach wert sind, denn was wir tagtäglich leisten, das kann ein gesunder Mensch nicht einmal ansatzweise nachvollziehen, denn das geht auf keine Kuhhaut 😉 … ganz ehrlich!

Wer von den Gesunden sieht uns an, wie erledigt wir eigentlich innerlich schon sind, wieviele Energiekörner wir schon verbraucht haben, ob wir Schmerzen haben oder ob wir einfach nur todmüde sind, auch wenn wir dabei oft noch ein Lächeln auf den Lippen haben?

Wer kann erahnen, warum man gerade noch wie das blühende Leben und im nächsten Moment wie der sterbende Schwan aussieht?

Keiner sieht, was wir für einen Aufwand betreiben müssen, um einigermaßen in und durch den Tag zu kommen, sei es durch den wackeligen Gang ins Badezimmer, sei es durch diverse Sportübungen oder aber vielleicht sogar durch fremde Hilfe, die wir in Anspruch nehmen müssen.

Keiner sieht wieviele Schmerzen wir haben, aushalten oder wieviele Nebenwirkungen wir von einigen Medikamenten ertragen müssen, damit es uns hoffentlich ein wenig besser geht.

Keiner sieht uns unseren Kraftaufwand an, den wir aufbringen müssen, damit wir selbstständig am Leben teilhaben können. Es sieht vielleicht häufig alles sehr easy aus, ist es aber nicht.

Angefangen vom Rollstuhl den wir ins Auto heben müssen, damit man einkaufen kann, über den eigentlichen Einkauf, den man ja auch irgendwie nach Hause bekommen muss. Nicht immer einfach.

Niemand sieht, wie wir jede Unternehmung, jeden Ausflug bis ins letzte Detail planen müssen, damit es einigermaßen entspannt wird. Wo sind Treppen? Wo ist das WC? Sind die Türen breit genug? Gibt es Griffe oder Rampen? Wo sind irgendwelche Hindernisse? Wo kann ich parken?

Wer weiß schon, wie wir uns im Haushalt abrackern damit es einigermaßen ordentlich aussieht und keiner sieht, wie lange wir uns danach wieder ausruhen müssen. Das bisschen Haushalt mach sich nun einmal nicht von alleine. 😉

Ganz zu schweigen davon, dass wir uns selbst und ständig, jeden Tag immer wieder von vorne motivieren müssen und uns dabei aber nicht in Dauerschleife selbst fragen:

WOZU, für WEN mache ich das eigentlich noch? Für UNS natürlich.

Wer kennt schon das Gefühl kurz vor einem Schub zu stehen, ins Krankenhaus zu müssen, um dann die ganzen Untersuchungen über sich ergehen zu lassen?

Und es gibt noch sooo viele 1000 Beispiele mehr, die man hier auflisten kann und deshalb dürfen wir alle sehr, sehr stolz auf uns sein und uns feiern.

Wir machen weiter, lassen uns nicht unterkriegen, kämpfen, stehen immer wieder auf, auch wenn wir schon am Boden liegen, denn wir wissen ganz genau wie es dort unten aussieht.

Und genau deshalb dürfen wir alle sehr, sehr stolz auf uns, auf unser Selbstwertgefühl, auf unsere Selbstachtung sein, denn das ist ganz, ganz groß! Yeah!

Ich bin es auf jeden Fall für uns alle mit und freue mich über unsere tagtäglichen Höchstleistungen. Sei zufrieden mit DIR SELBST, denn das alles muss uns erst einmal jemand nachmachen. Stimmt´s ? 😉

Stolze Grüße sendet für heute,

Deine Christine!

50 Kommentare

    1. Danke lieber Jochen,
      nur so geht es, denn wenn man nicht einigermaßen positiv weitermacht, frisst einen die Krankheit ganz und gar auf…. und wer will schon gerne gefressen werden??? 😉
      GLG zurück, Deine Christine!

  1. Da ich ja wohl noch für längere Zeit nur mit Rollator gehen kann, ist das für mich nachvollziehbar.
    Einkäufe tätigt mein Mann. Kochen nur bedingt, da ich nicht so lange stehen kann und noch viele andere Dinge, die du hier aufgeführt hast.
    Wie viel Kraft es dazu braucht und darauf kannst du stolz sein 👍💗

    Alles Liebe von Mathilda ❤ 🐞🍀

    1. Liebe Mathilda,

      auch schon mit einer Gehhilfe, sprich Rollator oder Stock, verändert sich das alltägliche Leben ungemein und sieht plötzlich völlig anders aus.
      Man findet Lösungen, macht Kompromisse und hangelt sich immer weiter durch den Dschungel der neuen Aufgaben. Irgendwie meistens lösbar, aber auch nicht ganz unanstrengend. 😉

      Wir können alle hier Kraft, Mut und Unterstützung gebrauchen und diese wünsche ich dir auch weiterhin. Alles Liebe,

      Deine Christine!

  2. das ist einer der emotionalsten Beiträge die ich in 2 Jahren Bloggerzeit gelesen habe. Ich bewunders dies und kann nur den “Hut nehmen” vor allen die davon Betroffen sind. Es ist egal warum man im Rollstuhl (ect.) sitz, den alle haben mit den gleichen alltäglichen Problemen zu kämpfen die wir als “gesund” überhaupt nicht beurteilen können. Für uns sind viele Dinge einfach normal was für andere eine riesen Herausforderung ist . Wir machen uns zuwenig Gedanken ! Warum auch , mich betrifft es ja nicht !!!!! Eine Denkweise die wir fast alle an den Tag legen und ich unterstelle mal nicht bewusst sondern unbewusst ! Dies ist unser Alltag heute ! Ich bin ehrlich und greife mich an die eigene Nase !!! Es gibt hier noch viel zu tun und wenn alle nur ein bischen darüber nachdenken sollten wir die Leistungen einfach anerkennen bzw. das alltägliche Leben solcher Menschen erträglicher machen. Möglichkeiten hätten wir wahrscheinlich alle !!!!! Ich bewundere dich Christine !!!! LG Manni

    1. Lieber Manni,
      aber das ist auch eine ganz normale Reaktion. Ist man gesund, hat man andere Sorgen und Probleme, man schaut nicht nach Stufen, Treppen oder anderen Dingen, die einem Unheil anrichten können, denn ein Gesunder macht das alles mit links 😉 . Ich früher auch ….

      Aber sobald sich die Situation ändert und man den täglichen Kampf kämpfen muss, egal ob man will oder nicht, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Sicherlich ärgert man sich häufig über die Ignoranz einiger Mitmenschen (und das sind nicht immer nur über die Gesunden), aber im Grunde genommen muss jeder für sich selbst immer wieder aufstehen und weiterkämpfen.
      Dieser Kraftaufwand ist enorm und deshalb können wir alle stolz sein, denn wir machen weiter und lassen uns nicht unterkriegen, auch wenn wir an manchen Tagen einfach alles hinschmeißen möchten….

      Schön, wenn der Blog zum Nachdenken anregt.
      Ganz liebe Grüße an dich.

      Deine Christine!

  3. Uff. Und wieder einmal merke ich, dass mein Alltag gar nicht schwierig ist. Auch wenn ich das immer mal wieder glaube. Danke für dein „mich-auf-den-Boden-Holen“. Sehr angenehm, wie du das immer wieder hinbekommst: klar, deutlich, besonnen und ohne jede Bitterkeit.
    Lieben Gruß
    Frank

    1. Lieber Frank,
      sehr gerne, aber das ist ja immer Ansichtssache und auch von der jeweiligen Situation abhängig. Aber manchmal hilft es wirklich, einen Blick nach links und rechts zu richten, damit man merkt, so schlimm ist das alles gar nicht.
      Du wirst lachen, das mach ich tatsächlich auch, denn es geht immer noch viel schlimmer…..

      Alles Liebe in die alte Heimat,

      Deine Christine! <3

  4. ., Deine Überlegungen sind einfach toll. Ich kann das sagen, denn Stolz sein hebt das Selbstwertgefühl, hebt das Gefühl in diesem Leben wichtig zu sein, und welcher “Gesunde” kann unsere Gefühle nachempfinden.

    1. Lieber Konrad,
      wir Zwei fachsimpeln ja immer gerne und bereden einige Themen und das tut mir immer sehr gut. Vielen Dank dafür und auch noch einmal für die Freifahrt zum Therapeuten 😉 …. wäre für mich an diesem Tag mit Schwindel nicht wirklich möglich gewesen. Danke.
      Liebe Grüße,
      Deine Christine!

    1. Ja liebe Lydia,
      das wäre sicherlich sehr, sehr interessant. Ich finde es sowieso sehr beachtlich was Blinde leisten. Das Gefühl kann man bestimmt nicht wirklich nachvollziehen und mit einmal Augen zu, ist es da auf jeden Fall nicht getan. Ich freue mich auf deinen Beitrag.
      Liebe Grüße sendet, Deine Christine!

  5. Liebe Christine,
    sehr gut hast Du dass beschrieben und trotzdem wird es immer Menschen geben, die es nicht verstehen können oder wollen!
    Ich zum Beispiel kann noch, an GUTEN Tagen, ca. 100 bis 150 m mit Gehilfen gehen. Da kamen dann schon so Sätze wie, was sie können ja laufen, wozu brauchen sie einen Rollstuhl. Scherz komm raus und dann geht der Erklärmaraton los.
    Mitlerweile sage ich n

    1. Liebe Babsi,
      oh ja, das kann ich auch gut nachempfinden, so ging es mir auch noch, als ich noch so weit gehen konnte… und die erstaunten Gesichter, wenn ich auf den Behindertenparkplatz fahre… unbeschreiblich.
      Diese ständigen Erklärungen hat man an manchen Tagen wirklich satt und möchte den Leuten die Karre nur noch in die Hacken fahren… bringt aber auch nicht wirklich viel, außer wir sind nicht mehr mobil und das geht gar nicht.
      Man kann wirklich nur mitreden, wenn man selbst MS hat…. nichts desto trotz müssen wir weiter aufklären und erklären und wenn nur einer etwas kapiert, dann haben wir doch schon viel erreicht. Alles Liebe für dich.
      Deine Christine! <3

  6. Liebe Christine, stolz können Menschen wie du, die als Betroffene den Humor behalten und Andere aufmuntern mit guten Ratschlägen und so weiter, ich wünsche einen wunderschönen Tag, Klaus

  7. Liebe Christine,
    du sprichst mir aus der Seele.
    Wir können nicht nur stolz sein, den täglichen Kraftaufwand zu meistern sondern auch, die oft zutiefst ignoranten oder schulmeisternden bis unverschämten Kommentare unserer Umwelt stoisch über uns ergehen zu lassen. Dabei reagieren Fremde Menschen durchweg freundlich und hilfsbereit. Aber wieder einmal freundlich zu lächeln, wenn z.B. eine Nachbarin anmerkt, dass ein bisschen Sport unserer Beweglichkeit bestimmt auch förderlich sei. Sie sei schließlich sooo fit, seit Sie regelmäßig Rückengymnastik mache. Stolz also darauf zu sein, Ihr dieses körperliche Erfolgserlebnis zu gönnen und den taktlosen Seitenhieb zu überhören.
    Herzliche Grüße von der heute schon zum zweitenmal komatösen
    Elke

    1. Liebe Elke,
      ja, das können wir wirklich und ja, auch manchmal bekommt man ignorante, dumme und schlaue Sprüche reingewürgt. Nicht immer schön, meist bin ich auch schlagfertig, aber manchmal auch einfach nur ziemlich sauer und enttäuscht…..
      Es gibt auf der anderen Seite viele hilfsbereite Menschen und das ist wiederum super.
      Wir können es drehen und wenden wie wir wollen…. wir müssen selbst aktiv sein und sagen was wir wollen oder nicht wollen und wir müssen unser Leben, so gut es eben geht, selbst meistern und in die Hand nehmen.- Deshalb und gerade darum dürfen wir alle besonders stolz sein.
      Herzliche Grüße von mir zu dir sendet,
      Deine Christine!

      1. Ich frage mich einfach wie blöd und respektlos muss man sein das man ignorante, dumme oder schlaue sprüche von sich gibt?
        Sorry, ich kann das nicht anders bezeichnen.
        Wenn jemand mit gehilfen unterwegs ist wird er sie brauchen.
        Und wenn jemand das recht hat auf einem behindertenparkplatz sein auto abzustellen wird das ja genehmigt.
        Das muss ich auch nicht hinterfragen!
        Es ist für mich klar das ich eine heruntergefallene gehhilfe aufhebe ohne das man mich bitten muss.
        Es ist auch ganz klar das ich im bus meinen sitzplatz anbiete wenn jemand gehbehindert oder älter lst.
        Das ist für mich nicht mehr als eine sache des respekts und des anstandes.
        Ansonsten finde ich einfach man sollte den gesunden menschenverstand einschalten und ich glaube hilfe anbieten ist ok oder täusche ich mich da?
        Das würde mich ganz konkret interessieren.

        1. Liebe Joan,
          wenn alle so handeln und denken würden, so wie du es tust, dann wäre es für viele gehandicapte Personen um einiges leichter bzw. entspannter. Man könnte sich so einige Energiekörner für andere Dinge aufsparen, aber ….. es gibt halt solche und solche Menschen und schön, wenn für dich das alles selbstverständlich ist, für viele andere leider nicht.
          Vielen Dank für deine Rücksicht und Empathie, das ist wirklich toll und so mancher Mensch wird sich schon über deine Hilfsbereitschaft gefreut haben. Alle Daumen hoch!
          Ein schönes Wochenende wünsche ich. 🙂

      1. Keine ursache 🙂
        Du hast recht wenn man gesund ist kann man das nicht mal erahnen was das heisst.
        Ihr habt alle meinen höchsten respekt und ich kann nur den hut vor euch ziehen und selbstverständlich und mit vollem recht dürft ihr stolz sein.

        Liebe grüsse

        1. Danke liebe Joan,
          ja, es ist nicht alles einfach, aber einfach kann ja jeder und da wir uns alle oft soooo sehr anstrengen müssen, muss ein Lob einfach mal sein und jeder von uns kann sehr, sehr stolz auf sich selbst sein.
          Liebe Grüße sendet, Deine Christine! <3

  8. Liebe Christine,

    Dankeschön für den wunderbaren Beitrag.
    Gerade heute hatte ich so viele Kämpfe und Schwierigkeiten, Termine und Hundespaziergänge, und ich habe trotz meiner Schmerzen und Einschränkungen alles gewuppt. Und dabei habe ich ganz vergessen, stolz auf mich zu sein!
    Das hole ich jetzt nach.
    Danke für das Erinnern!
    Bleib stolz!

    Liebe Grüße
    Iris

    1. Liebe Iris!
      Bitteschön. – Ja, sei stolz auf DICH, denn gerade an solchen Tagen ist es wirklich wichtig, noch einmal drüber nachzudenken was man eigentlich alles gewuppt hat.
      Ich bin auch auf DICH stolz, denn wenn die Mitmenschen einen auch einmal loben, beschwingt das noch einmal ein bisschen mehr. 😉
      Einen schönen Abend wünscht,
      Deine Christine!

  9. WOW! Das treibt mir doch gerade mal die Gänsehaut über den ganzen Körper!
    Du hast recht und sprichst mir wirklich aus der Seele. Ein toller Artikel, DANKE dafür!

    Viele Menschen im Umfeld, im Job oder sonst wo im Alltag sehen gar nicht, wie viel Kraft wir brauchen um das alles zu meistern. Aber wir stecken nicht auf, sondern richten unsere Krone und machen weiter, sind immer freundlich und auch immer für andere da.

    Ich versuche, trotz dass es mit vielleicht nicht so gut geht, immer für andere da zu sein, zu helfen und zu Hause alles im Griff zu behalten. Aber das kostet Kraft – viel Kraft! Aber ich weiß wo meine Grenzen liegen und dann muss ich eben auch einmal NEIN sagen. Zwar ernte ich dann oft Schulter zucken, oder gar ein Augenverdrehen, aber damit kann ich leben.

    Liebe Grüße Jule

    1. Liebe Jule!
      Schön, wenn der Beitrag gefällt.

      Ja, viele Menschen sehen den Kraftaufwand leider nicht, den wir tagtäglich aufbringen müssen, da sie in ihrer Welt leben und kaum einen Blick nach rechts und links werfen.

      Aber davon lassen wir uns nicht irritieren und machen weiter, denn wir sind wir und können stolz auf uns sein, mit so einer großen Herausforderung, die uns das Leben gestellt hat, umzugehen.
      Mal besser, mal schlechter, aber eigentlich doch positiv, hilfsbereit und nach Vorne gerichtet. 🙂

      Liebe Grüße zurück, Deine Christine! <3

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