Pflegegrad beantragen, so schnell geht das:

Pflegegrad beantragen so geht es

Pflegegrad, das Wort, das ich ganz weit aus meinen Gedanken schiebe.

Das kommt für mich nicht in Frage. So krank bin ich nicht.

DOCH Christine, so krank bist DU!

Das brauche ich nicht. Das will ich nicht. So schlimm ist es nicht. Aber ich muss erneut meine eigenen Erfahrungen machen, damit ich in die Pötte komme. Was sonst?

Mittlerweile gehe ich wenige Schritte am Rollator und Stufen sind mir ein Graus. Ein Umbau wird nötig, deshalb muss ich eine Rampe ans Haus anbauen. Das kostet Überwindung und Kohle. 😉

Klar beteiligt sich die Krankenkasse, aber nur, wenn ein besagter Pflegegrad vorliegt.

Im Fachjargon heißt das: Es gibt einen Zuschuss für eine Wohnraumumfeld – Verbesserung, wenn ein Pflegegrad vorliegt. Sonst nicht! Bäm!

Das sitzt und nach langen Diskussionen sehe ich ein: Dies sind die Vorschriften und das Gesetz.

Augen zu und durch und JA! -> Ich brauche den Pflegegrad.

Ende der Diskussion.

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Wie geht das?

Was muss ich tun?

Wie schnell geht das?

Was ist ein Pflegegrad?

Wie viele Pflegegrade gibt es?

Woher bekomme ich das Pflegegutachten?

Fragen über Fragen, die ich heute kurz und knackig beantworte:

 

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Was ist ein Pflegegrad? Was bedeutet das?

 

Im Grunde genommen geht es um die Pflegebedürftigkeit. Bist du im Alltag eingeschränkt, behindert und benötigst du dauerhaft fremde Hilfe und Pflege? Dann kannst du einen Pflegegrad beantragen.

Es geht nicht um die Schwere der Krankheit. Es geht hier um das Maß der Selbstständigkeit im Alltag. Die Pflegebedürftigkeit ist in verschiedene Module mit folgenden Themen und unterschiedlicher Gewichtung eingeteilt.

 

10 % Mobilität

15 % Kognitive und kommunikative Fähigkeiten/ Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

40 % Selbstversorgung

20 % Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

15 % Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

 

Diese Lebensbereiche fragt der Gutachter ab und bewertet diese mit Punkten. Je nachdem wieviel Unterstützung wir benötigen, erhöht sich die Punktzahl.

Die Summe der Punkte ergibt somit den Pflegegrad und das Ergebnis der Begutachtung.

 

Wie und wo stelle ich den Antrag?

Der Antrag ist schriftlich bei der Pflegekasse zu stellen. Diese ist bei der jeweiligen Krankenkasse ansässig. Die Formulare hierfür gibt es bei deiner Krankenkasse.

Ich lade mir das Online Formular meiner Krankenkasse runter, fülle es aus und schicke es zurück.

Hier verlinke ich euch die Formulare der bekanntesten Krankenkassen:

Ein Klick auf deine Kasse und du bist im Formular. Fehlt deine Krankenkasse, rufe dort direkt an oder frag Dr. Google. 😉

AOK

BARMER

DAK

TECHNIKER

 

Was passiert dann?

Sobald der Antrag bei der Krankenkasse eingeht, meldet sich diese mit einem Terminvorschlag zur Begutachtung.

Normalerweise findet die Begutachtung zuhause statt. Von Vorteil ist, wenn deine Hilfsperson bei dem Gespräch anwesend ist. Bitte schildert alle Probleme, Einschränkungen, die du im Alltag hast.

 

Scham ist hier fehl am Platz. Es geht um DICH und DEINEN Alltag! Benötigst du Umbauten, Rehabilitation oder Hilfsmittel, sprich das Thema an. Denn nur wer redet, dem ist zu helfen.

Das geschulte Personal des MDKs bildet sich einen Gesamteindruck über die Problematik.

Aufgepasst!

Zu Corona Zeiten wird der Termin zur Begutachtung zuhause, durch ein Telefon Interview mit dem MDK (Medizinischer Dienst) ersetzt.

 

Wie bereite ich mich vor?

Dies ist ein wichtiger Punkt.

Zuerst schreibe ich mir Notizen zu meinem Alltag.

Wer hilft mir? Wobei wird mir geholfen?  Wie sieht mein Alltag im Detail aus?

Welche Hilfsmittel besitze ich? Welche Medikamente nehme ich?

Wie oft gehe ich zur Krankengymnastik, zur Ergotherapie, zum Arzt?

Wo bin ich eingeschränkt und benötige ich Hilfe? Und glaubt mir, da kommt viel zusammen.

Zusätzlich habe ich mir meine Krankenhaus- Reha- und Arztberichte rausgelegt, durchforstet und für den Termin parat gelegt.

 

Danach übe ich mit einem Tool und spiele das Prozedere durch. Es ist wichtig die ganzen Fragen durchzugehen. Warum? So weiß ich, was auf mich ungefähr zukommt. Wie die Fragestellung erfolgt.

Hier verlinke ich den kostenlosen Pflegegradrechner

Mir bringt das viel und das bringt Struktur in meine Notizen. 🙂

 

Außerdem empfehle ich das Buch*:

Das Pflegegutachten der Verbraucherzentrale (Werbung aus Überzeugung). Diese zehn €uro sind gut investiertes Geld.

 

 

Dort sind alle Fakten, Module, Fragen und Antwortmöglichkeiten aufgelistet und erklärt. Zum Einlesen, zum Verständnis und zur Vorbereitung ist das ein super hilfreiches Buch. Danke Heike! 😉

Denn wer will unvorbereitet in solch wichtige Gespräche gehen? Ich definitiv nicht. Vorbereitung ist meiner Meinung nach ALLES.

 

Wie lange dauert das Prozedere der Begutachtung?

In der Regel plant der MDK eine Stunde ein. Wie lange es tatsächlich dauert, ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

 

Wann bekomme ich mein Pflegegutachten?

Im Normalfall liegen zwischen Antragstellung und Begutachtung 20 Arbeitstage. Ab Antragstellung ist das Pflegegeld rückwirkend zu zahlen.

 

Wieviel Pflegegrade gibt es?

Es gibt fünf Pflegegrade. Diese errechnen sich aus den abgefragten Modulen. Je nachdem welchen Grad wir erreichen, gibt es unterschiedliche Leistungen.

 

Wann erhalte ich das Gutachten?

Das Gutachten ist nach Begutachtung in der Regel zügig binnen zwei Wochen erstellt. DENN: Zwischen Antragstellung und der Entscheidung der Pflegekasse darf ein Zeitraum von 25 Arbeitstagen liegen, sprich fünf Wochen.

Ist das nicht der Fall, muss die Pflegekasse eine Strafe an den Antragsteller zahlen. Das bedeutet: Für jede weitere angebrochene Woche die verstreicht, ist der Betrag von 70 €uro Strafe fällig.

 

Du bist mit dem Gutachten nicht einverstanden?

Leg bitte einen Widerspruch innerhalb eines Monats nach Eingang des Gutachtens ein.

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Ich hoffe, ich konnte dir die Angst vor diesem Schritt nehmen und behilflich sein.

Welche Vorteile wir haben und welche Folgeanträge wir danach stellen, das schreibe ich dir in einem weiteren Beitrag.

Wir gehen das Thema step by step an. 😉

Für heute ist der erste Schritt getan. Wer hat ihn schon gemacht?

Was für Erfahrungen hast DU gemacht? Ich freue mich auf DEINE Antwort.

 

Alles Gute wünscht für heute,

Deine Christine!

 

 

 

 

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15 Comments

  • Anonymous 23. Juli 2020 at 3:36 Reply

    Liebe Christine
    Habe den Antrag gestellt, habe auch einen positiven Bescheid erhalten, habe Einspruch eingelegt, und bin jetzt gut bewertet worden. Dies habe ich Deinem Artikel zu verdanken, und dafür danke ich Dir. Die Leistungen der Pflegekasse helfen mir sehr,somit eine Sorge weniger.
    Dein Konrad

    • Christine 23. Juli 2020 at 7:33 Reply

      Lieber Konrad,
      das freut mich wirklich sehr. Und besonders dann, wenn ein Widerspruch nötig war und du jetzt erfolgreich warst.
      Ich denke auch, wer, wenn nicht wir, dürfen Leistungen der Pflegekasse erhalten?? Deshalb: Alles richtig gemacht, denn Kosten haben wir genug.
      Alles Gute wünscht, Deine Christine!

  • Meine MS Buchempfehlung und mehr ... - Deine Christine! 14. Juli 2020 at 11:23 Reply

    […] Besonders dann, wenn wir uns auf ein Pflegegutachten vorbereiten. Dazu gibt es bereits einen Blog Beitrag. Nachzulesen HIER. […]

  • Anonymous 21. April 2020 at 11:07 Reply

    DANKE; ICH GEHE DAS THEMA JETZT AUCH AN: DU HAST MICH ERMUTIGT: MIR FÄLLT DAS ALLES EXTREM SCHWER; DESHALB AUCH KEIN NAME: SORRY: DANKE FÜR DIE HILFREICHEN BEITRÄGE: GRUSS

    • Christine 21. April 2020 at 17:11 Reply

      Sehr gerne Unbekannte/er! Manchmal benötigt es einfach einen Schubs in die richtige Richtung und es läuft. 😉 Alles Gute, ich drücke die Daumen.
      Deine Christine!

  • Erwin Jack 20. April 2020 at 11:40 Reply

    Liebe Christine, hallo zusammen,

    wer die Voraussetzungen für einen Pflegegrad hat, sollte sich auf keinen Fall davor scheuen, den auch zu beantragen. Sehr viele Patienten mit neurophysiologischen Erkrankungen, besonders auch die MS-Betroffenen, gehören zum engen Kreis der Berechtigten. Mit dem bewilligten Pflegegrad haben fast alle den Zugang zu den umfänglichenLeistungen ihrer Pflegekasse.
    Doch eines muss klar sein: Niemand darf blauäugig in die Antragstellung tappen. Da drohen viele Stolperfallen, besonders wenn der/die sog. Gutachter*in des MDK in Erscheinung tritt. Diese sind geschult, die Schwachstellen ausfindig zu machen, um die Gründe zu liefern für Ablehnungen oder Mindereinstufungen. Ziel muss es von vorneweg sein, zumindest den Pflegegrad 2 besser noch 3 beschieden zu bekommen. Von PG 1 hat man so gut wie nichts.
    Also dran denken: 80 % des Erfolges ist die Vorbereitung.
    Und wer sich da nicht sicher ist oder sich dazu nicht in der Lage fühlt, sollte sich vorher professionelle Unterstützung von gewieften, unabhängigen Pflegeberatern an Bord holen.
    Cave: Das sind aber nicht unbedingt die Berater, die bei Pflegekasse als solche angestellt sind – lieber Externe. Die gibt es bei vielen Kommunen, Landkreisen und Hilfsorganisationen, wie z.B. Caritas usw. gute und kostenfreie Unterstützung.
    Wenn dann der MDK vor Ort kommt, sollte dringend dieser Berater mit dabei sein. Dieser weiß sehr wohl, welche Fragen nicht erlaubt sind und bei welchen „Gefahren“ drohen.
    Ich drücke allen, die vor der Beantragung stehen, die Daumen, dass ihr das gesteckte Ziel erreicht. Ihr schafft das, wenn ihr es richtig angeht.

    Beste Grüße

    Erwin „Jack“

    • Christine 20. April 2020 at 12:17 Reply

      Danke lieber Erwin. Du bist und bleibst ein Fuchs und die Idee mit den unabhängigen Beratern, ist für viele hier bestimmt von großer Bedeutung. Sowieso ist es besser, im Notfall oder bei einem Widerspruch, einen Zeugen zu haben und das Prozedere nicht ganz alleine durchzuführen. Das Schöne hier, jeder hat seine Erfahrungen und Tipps parat. So lernen wir voneinander und miteinander. Das gefällt mir sehr.
      Danke und einen schönen Tag wünscht, Deine Christine!

  • Petra 20. April 2020 at 11:07 Reply

    Natürlich ist es erstmal “doof” einen Pflegegrad zu beantragen, ich wollte das auch nicht. Mittlerweile bin ich froh, daß es läuft. Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, Hilfe im Haushalt, in der Pflege – besser is. Für mich habe ich gelernt: Falsche Scham, aber auch Übertreibung, bringt überhaupt nichts.
    Immer ran an den Speck 🙂 🙂

    • Christine 20. April 2020 at 12:06 Reply

      So ist es auch liebe Petra. Der Punkt kommt und dann wird es gemacht. Auch wenn ich dafür in diesem Fall ein wenig länger gebraucht habe…. Für solche Fälle ist das eingerichtet worden und warum die Hilfe nicht in Anspruch nehmen??
      Danke für den Kommentar, der wieder einmal bestätigt, ran an den Speck. Augen zu und durch.
      Liebe Grüße, Deine Christine!

  • Anonymous 20. April 2020 at 7:15 Reply

    Liebe Christine,
    ich bin Deinem Rat gefolgt, und habe einen Pflegegrad beantragt. Der Weg war wie Du in Deinem Beitrag beschrieben. Auf wwwPflege.de bekommt man alles was man tun bzw.wissen muss, also ganzu einfach. Ich habe Mittwoch den Termin am Telefon.
    Dein Beitrag ist sehr informativ und dafür danke ich dir.
    Viele liebe Grüße
    Konrad

    • Christine 20. April 2020 at 9:05 Reply

      Lieber Konrad!
      Sehr gerne und ich drücke die Daumen, dass das alles klappt. Die Seite ist wirklich sehr hilfreich, wobei das Buch auch sehr zu empfehlen ist.
      Viele Grüße zurück, Deine Christine!

  • Heike Gottwald 19. April 2020 at 20:58 Reply

    Klar ist es blöd, als pflegebedürftig bezeichnet zu werden. Aber wenn Umbauten nötig sind und finanzielle Unterstützung benötigt wird, kommt man nicht drum herum. Ich habe mich auch mit Pflegestufen-Tools im Netz informiert, Tagesprotokolle angefertigt und alle relevanten Arztberichte zusammen gesammelt. Pflegedienste bieten ihre Hilfe an, da muss man sich sowieso einen aussuchen für die halbjährlichen Kontrollen. Bisher hatte ich keine Probleme mit den MDK-Mitarbeitern, im Gegenteil.
    Ich wünsche dir viel Erfolg und eine reibungslose Bearbeitung.
    LG Heike

    • Christine 19. April 2020 at 22:09 Reply

      Hallo Heike,
      tja, Gefühle und Emotionen kommen in der Tat bei jedem nächsten Einschnitt dazu. Da kann ich mich nicht von frei sprechen. 😉 – Aber es ist nötig und deshalb wird es Zeit, diesen Schritt zu gehen.
      Schön, wenn alles so gut bei dir geklappt hat und du positive Erfahrung bei der Bearbeitung und mit dem MDK gemacht hast.
      Danke für die Wünsche und liebe Grüße zurück. Deine Christine!

  • Heike 19. April 2020 at 19:12 Reply

    Liebe Christine,
    das Buch der Verbraucherzentrale leistet wertvolle Unterstützung, deshalb rate ich wirklich dazu, sich vor dem Antrag mit demThema zu befassen! Das Pflegegeld wird rückwirkend gezahlt, es zählt der Tag der Antragstellung. Viel Erfolg allen…und Dir einen schönen Abend,
    Deine HeIke 👍🥰💕😘

    • Christine 19. April 2020 at 19:15 Reply

      Danke liebe Heike. Der TIPP war GOLD wert. Ich denke auch, Vorbereitung ist bei so einem Gespräch/ Besuch wichtig. Euch ebenfalls einen schönen Abend.
      Liebe Grüße! Deine Christine!

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